Was ist eigentlich Startup?. Bisher wusste ich nicht viel. „Start“ bedeutet, dass es los geht und die Richtung gibt das Wort „up“ vor. Die vielen Phasen durch die ein Startup geht, waren mir nur oberflächlich bekannt. Was ich wusste war, dass es risikobehaftet ist ein Startup zu gründen. Die meisten Startups werden schnell zu Stopups oder Startdowns, weil entweder die Finanzierung stockt, oder die Lösungen nicht profitabel sind.

Da endete mein Wissen auch schon. Doch das reichte mir nicht. Schließlich betreibe ich ja selbst eine Art Startup. Grund genug heraus zu finden, was sich in der Gründerszene Deutschlands tut. Da ich jemand bin, der am besten lernt, wenn er es einfach macht, habe ich mich mitten in eine solche Szene begeben – nach Leipzig. Die Stadt hatte für mich noch keinen großen Namen in Sachen Innovation, doch mitten in Leipzig formiert sich seit Jahren eine Gedankenfabrik mit internationalem Ruf.

Gedankenfabrik in Leipzig

Die Firma heißt 2b AHEAD mit Sitz im Leipziger Westen. Über viele Jahre verstand sich die Firma als Berater und Plattform für Startups, doch vor kurzer Zeit begann  man damit auch selbst Startups zu unterstützen. Das Unternehmen liefert Ideen, finanzielle Mittel und Betreuung im Austausch gegen Gründergeist, Initiative und Arbeitszeit – 2b AHEAD Ventures. Ein erstes Treffen fand am Montag in der Lagerhalle des Unternehmens statt. Diese gehörte früher einmal zu einer alten Spinnerei. Trafen sich dort also nur Spinner und Träumer? Wie sieht es dort aus? Was macht diese Denkfabrik erfolgreich?

Meine Reise begann, gar nicht startuplike, mit einer 2 ½ stündigen Verspätung am Flughafen. Das kann sicherlich mit der dünnen Personaldecke von Ryanair zusammen hängen. Von der Aufgebrachtheit der Mitarbeiter habe ich während des Fluges jedoch wenig mitbekommen. Da mein Zeitpuffer völlig aufgebraucht war, kam ich gerade rechtzeitig zum ersten Vortrag in der Spinnerei an. Der erste Redner des Abends wurde vom Geschäftsführer des Unternehmens, Stefan Jenzowsky, angekündigt.

Anders hier

Ich blickte mich erst einmal um. Es waren vielleicht 120 Leute dort. Studenten, Banker, Hipster, Philosophen und Gründer versammelten sich um eine dreieckige Bühne, die eine vergrößerte Version des Logos von 2b AHEAD entsprach. Darum waren in einem Halbkreis Sofas, unterschiedliche Stühle, Sitzbälle und Bänke verteilt. Im Hintergrund befand sich eine für alle offene Bar. Der erste von drei Rednern an diesem Abend betrat die Bühne. Er trug ein Headset, was im Raum nicht zu hören war, jedoch im Internet bei dem aufgezeichneten Vortrag für eine bessere Klangqualität sorgen sollte.

In dem Vortrag ging es um die Geschichte des Geldes und eine relativ neue alternative Kryptowährung mit dem Namen Swisscoin. Nach der Rede gab es skeptische und kritische Stimmen. Diskussionen wurden mit viel Energie geführt. Redner Nummer zwei und drei berichteten von ihrem Startup Fireflybase. Es ging um vernetze Küchen und die Idee, dass die Küche dir über das Handy mitteilt, was nachgekauft werden sollte, wenn du schon im Supermarkt stehst. Interessantes Konzept und immer wieder die Frage, ob das wirklich nötig ist und wo es noch hin gehen kann?

Weg mit den Schreibtischen

Nach den Vorträgen gab es noch Zeit für Gespräche. Ich sah mich weiter in der Halle um und entdeckte aus Spanplatten gezimmerte Konferenzhöhlen, eine Empore zum Abhängen und jede Menge Platz für Erweiterungen. Ich fragte den zweiten Managing Director von 2b AHEAD, Michael Carl, nach der Arbeitsweise des Unternehmens. Er berichtete mir, dass es schon einmal eine Zeit gegeben habe, in der sich der Büroalltag stark durchgesetzt hat. Mitarbeiter hatten ihren eigenen Schreibtisch, Papier stapelte sich und die Kommunikation untereinander nahm ab. Da wurde beschlossen, dass über das Wochenende alles raus flog, was nach Büro aussah. Die Mitarbeiter sollten versuchen alle zwei bis drei Stunden den Arbeitsplatz zu wechseln. Jeden Tag betritt auch jemand die Bühne in der Mitte des Raumes. Dort wird dann eine Idee präsentiert oder ein Problem diskutiert. Kommunikation war so ein Schlüssel zum Erfolg.

Was habe ich mitgenommen? Startup bedeutet den Mut zu haben, einfach zu machen und die Bereitschaft sich jederzeit neu zu positionieren. Niemand weiß genau, ob Swisscoin, Fireflybase und Millionen andere Ideen zu einem Erfolg werden. Doch jeder weiß, dass der Weg zum Erfolg selten gerade verläuft. Wahrscheinlich hängt es davon ab, ob die Rückschläge auf dem Weg als Stolpersteine oder Trittbretter verstanden werden.

Ich wünsche Ihnen eine trittbrettreiche Woche,

Ihr Dr. Ben Hartwig

Podcast mit einem Neuroblitz Interview:

Kann ich improvisieren? Du kannst! – Ein Interview mit Dr. Ben Hartwig.

 

2b AHEAD – Startupschmiede in Leipzig
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